Margreth Rinderknecht in den Kantonsrat


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Donnerstag, 06. Juni 2002
WALLISELLEN / Margreth Rinderknecht löst Rosmarie Maurer als Präsidentin der Zürcher Landfrauen ab
Zwischen Schokoladefabrik und Stadtbahn
Sie ist Bäuerin, Mutter von vier Kindern, Schulpflegerin und neue Präsidentin der Zürcher Landfrauen-Vereinigung. Seit knapp einem Monat ist die Wallisellerin Margreth Rinderknecht im Amt.
ANDREA SAILER

Die neue Präsidentin der Zürcher Landfrauen, Margreth Rinderknecht, steigt auch schon mal zu den Kälbern. (asa)

«Bäuerin zu sein ist für mich eine Lebenseinstellung», sagt Margreth Rinderknecht, die neue Präsidentin der Zürcher Landfrauen. Die frühere Primarlehrerin und gelernte Bäuerin führt zusammen mit ihrem Mann Hansruedi und den vier Söhnen den Betrieb im städtisch anmutenden Wallisellen neben Schokoladefabrik und Wohnsiedlungen. Die Hausarbeit wird aufgeteilt. Wenn Hansruedi Rinderknecht kocht, gibt es beispielsweise selbst gemachten Kartoffelstock oder Pizza mit Tomaten aus dem Garten.

Margreth Rinderknecht bekundet Mühe, wenn sich die Frau über den Mann definiert. Sie wünscht sich mehr Selbstvertrauen für ihre Berufskolleginnen. Bäuerin zu sein brauche viel Know-how. Denn neben der Arbeit als Hausfrau und Mutter müsse man Bescheid wissen über Hof, Garten und Tiere. Hinzu komme der administrative Bereich mit Buchhaltung.

Einkommensnischen suchen

Rinderknecht beschäftigt sich auch mit dem Strukturwandel, der in der Landwirtschaft stattfindet. Jedes Jahr verschwinden Betriebe von der Bildfläche. Und die, die bleiben, wandeln sich vielfach von Haupt- zu Nebenerwerbsbetrieben. Frauen wie Männer sind häufig noch ausser Hof berufstätig. «Damit lässt auch die Identifikation als Bäuerin nach», findet Rinderknecht. Hier eröffnet sich ein Arbeitsfeld für die 46-jährige Bauerntochter aus Katzenrüti. Sie schafft Kontakte zu Berufskolleginnen. Bei den Treffen werden Erfahrungen ausgetauscht und mögliche Einkommensnischen wie beispielsweise das Brotbacken, die Gästebewirtung oder die Sprossen- oder Spargelproduktion diskutiert.

«Wir sind uns bewusst, dass wir Aufgaben im sozialen Bereich haben», sagt die Präsidentin. In den Bereichen Ehe- und Erbrecht sowie bei Scheidungen sieht Rinderknecht Nachholbedarf. «Dadurch, dass es viele Scheidungen gibt, merkt man, dass den Bäuerinnen der Rücken gestärkt werden muss. Wir wollen das Bewusstsein stärken, wie das Überleben bei einer Trennung gesichert werden kann, ohne dass der Betrieb gefährdet wird.» Dazu gehören auch Weiterbildungskurse für die Bäuerinnen.

Rotes Tuch Grossverteiler

Rinderknecht findet ihre Arbeit durchaus auch politisch. Neben der Familien- und der Bildungs- ist die Agrarpolitik ihr Hauptthema. Sie ist nicht gut zu sprechen auf die Gross-verteiler, auf welche die Bauern angewiesen sind. «Wir fordern von den Grossverteilern faire Preise», gibt sie sich kämpferisch. «Wir setzen uns auch für eine Offenlegung der Marge ein. Die Preise sollen transparent deklariert werden.»

Rinderknecht setzt sich zwar mit Vertretern der Grossverteiler an einen Tisch, grosse Hoffnung, dass sich etwas ändern wird, hat sie aber nicht. Die Vertreter würden sich die Forderungen der Bauern zwar anhören. «Doch am Schluss geht es immer um den Umsatz.»

Als neustes Beispiel nennt sie uperisierte Bio-Milch. Coop spare auf diese Weise Kühlräume. Die Bäuerin hält auch nicht viel von der Bio-Welle, auf der Coop reite. Je mehr importiert werde, desto grösser sei die Marge für die Grossverteiler. Schweizer Bio-Produkte seien eben teurer als ausländische.

Bei Rinderknechts wird Integrierte Produktion (IP) betrieben. Obwohl sich die Eltern keine Sorge um eine allfällige Übergabe an die Söhne machen müssen – zwei Söhne haben eine landwirtschaftliche Lehre gemacht –, ist die Zukunft doch ungewiss. «Wir bewirtschaften Land, das uns nicht gehört und das kurzfristig überbaut wird.» Bauvorhaben sind parallel zur Stadtbahn geplant.

Quelle: www.zuonline.ch


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