Margreth Rinderknecht in den Kantonsrat


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Unser Saatgut

Mein Engagement > Ecuador

Eigenständig werden: Unser Saatgut – unser Leben

Selbstversorgung

Im Hochland von Ecuador unterstützt und begleitet Swissaid die indigene Bevölkerung auf ihrem Weg zu mehr Selbständigkeit.

Gemüsebau für Selbstversorgung und Markt

„Passt auf, dass ihr die junge Brokkoli- Setzlinge zwischen den Zwiebeln nicht zertretet“, rufen sich die Schweizer Bäuerinnen zu. Die Zwiebeln sind zu Büscheln gesetzt und können geerntet werden, Kartoffelstauden schiessen ins Kraut und am kniehohen Mais ranken sich Bohnen hoch. Die Peperonis und verschiedene Kohlarten sind frisch gesetzt, aber in einem der Gärten präsentiert eine Bäuerin einen Kabiskopf von fast einem halben Meter Durchmesser: So sieht Mischkultur aus! Im Ecuadorianischen Hochland wächst in der Regenzeit alles immer und erst noch ziemlich schnell.

Im Garten oder Pflanzplätz haben sich viele Indechenas (Eingeborene mit Indianischer Abstammung) versammelt, viele Bäuerinnen, einzelne mit ihrem Jüngsten am Rücken, und auch ein paar Bauern sind zur „Flurbegehung“ gekommen. Sie diskutieren, fragen und tauschen Erfahrungen aus.

Mit Unterstützung von Swissaid haben sich Familien und vor allem Bäuerinnen in Gruppen organisiert und tragen ihr traditionelles Wissen über den Anbau von Gemüse und Früchten weiter. In den Arbeitsgruppen produzieren die meisten organisch, das heisst biologisch und sie sind stolz auf die Brühen und Jauchen, die sie selber angesetzt haben.

Verkaufen will gelernt sein

Gemeinsam besuchen sie immer am Samstag den Markt in Ambato. Voll Begeisterung berichten sie von ihren Produkten und dem Erfolg, den sie damit haben. „Weil wir unser Gemüse und all die Früchte schön präsentieren und nicht wie andere in Plastik eingepackt zum Verkauf anbieten, erlässt uns die Stadtverwaltung die Standgebühren.“ Eine junge Frau mit traditionellem Hut und einem glänzendschwarzen Zopf über den Rücken ergänzt stolz: „Der Markt dauert bin 13 Uhr, aber gegen Mittag sind wir meist schon ausverkauft.“

Neben der pflanzlichen Produkte hat auch die Kleintierhaltung für die Familien einen wichtigen Stellenwert: Hühnerhaltung zur Produktion von Eiern und Fleisch, aber auch Kaninchen und Meerschweinchen. Was nicht als Eiweisslieferant für die Familie gebraucht wird, kommt auf den Markt.

Die Haltungsform der Nager entspricht nicht in allen Punkten dem schweizerischen Tierschutzgesetz. Im Hochland von Ecuador steht an erster Stelle eine gute Zucht und Tiere, die gesund sind und schnell zunehmen, um Einkünfte zu bringen.

Verkaufen müssen viele Indios noch lernen, allzu oft verkaufen sie ihre Ware unterpreisig, nur weil sie sich nicht getrauen für die Qualität einen fairen Preis zu fordern.

Herausforderung Trockenzeit

Jetzt ist Regenzeit am Äquator. Alles ist grün und gedeiht, es regnet häufig und die Temperaturen sind – auch auf einer Höhe von 2800 bis 3200 m – angenehm warm. Die grossen Wasserprojekte kommen erst während der Trockenzeit, ab April, Mai zum Tragen. Wenn es ein halbes Jahr nicht mehr regnet, sind Trinkwasserleitungen oder Bewässerungskanäle überlebenswichtig. Für den Bau der Leitungen sind alle Dorfbewohner im Einsatz, jeder und jede leistet ihren Einsatz, gräbt ein paar Meter um die Wasserrohre zu verlegen, Fronarbeit würde man bei uns sagen, hier heisst das „Minga“. Später geht es auch darum, ein effizientes, den Begebenheiten vor Ort angepasstes Rechnungswesen aufzuziehen, denn Wasser hat seinen Preis. Schliesslich müssen die Leitungen unterhalten werden.

Stolz berichten der Präsident des Wasserrates: „ Wir haben uns durch die staatlichen Instanzen gekämpft, damit wir das gesetzlich verankerte Recht durchsetzen können, um selber für die Verteilung des Wassers verantwortlich zu sein“. Auf einem beschwerlichen und langen Weg mussten sie mit einer demokratische Wahl im Dorf die rechtliche und juristische Legitimation des Wasserrates vollziehen. In der Gegenden um La Esperanza liegen grosse Blumenplantagen und diese haben einen ernormen Wasserbedarf – und Macht.

Volksfest und Tauschmarkt

Für den ersten Samstag im Februar organisieren verschiedene Gruppen von Kleinbauernfamilien in La Esperanza einen Saatgutmarkt zur Swissaid- Kampagne „Unser Saatgut, unser Leben“. Die ausgestellten Produkte und das Saatgut zeigen die Vielfalt aber auch das Herzblut, mit welchem die Saat gepflegt und Traditionen bewahrt werden. In Tonschalen und gehäkelten Beuteln präsentieren die Bauern und Bäuerinnen verschiedene Maissorten, Samen von Getreidearten und Gewürzen - und dann natürlich Bohnensamen in allen möglichen Farben und Formen: von gescheckte, über currygelbe bis zu dunkelroten und schwarzen, runde, längliche und die grossen flachen Saubohnen, die bei keinem Essen fehlen. Daneben bieten die Bauernfamilien auch Gemüse zum Kauf an, Gewürzkräuter und Früchte.

Im kulinarischen Angebot stehen Leckereien wie geröstete Puffbohnen und Maiskerne, geröstete und leicht gesalzene Bananenchips, ein weisses, sehr süsses Honiggebäck, allerlei Fritiertes und Gekochtes und gebratenes Fleisch, von jenen Tierarten, welche bei den Indechenas hoch im Kurs stehen (siehe oben).

Einige der Familien haben am Morgen eine vierstündige Fahrt in ihrem Pick- Up in Kauf genommen, um beim ersten Markt dieser Art dabei zu sein. Das Volksfest, das sich unterdessen entwickelt hat, bietet einen spannenden Erfahrungsaustausch, Begegnungen mit Gleichgesinnten und Fröhlichkeit und Musik für jung und alt.



(Kommentar)

Swissaid arbeitet in ihren Projekten in zehn Ländern auf 3 Kontinenten stark bedürfnis- und zielorientiert. Nicht das, was die Stiftung für „richtig“ hält wird umgesetzt, sondern das, was die Menschen vor Ort für wichtig erachten. Für die Unterstützung gibt es keine Wunschzettel, sondern eine sorgfältige Abklärung durch die regionalen, einheimischen KoordinatorInnen. Kernstück ist der starke Wille, etwas an der eigenen Lebenssituation zu ändern und die Bereitschaft, auch über Jahr körperlich und geistig mitzuarbeiten, Verantwortung zu übernehmen.

Beim Besuch der verschiedenen Projekte zeigten die Dorfbewohner eine grosse Dankbarkeit, die aber von Seiten der Swissaid immer zurückgegeben wurde: „Ihr seid jene, die die Arbeit geleistet habt.“

Häufig kommen auch Bitten um weitere Unterstützung, besonders dort, wo der Abschluss eines Projektes in Aussicht gestellt ist. Konkret äussert eine Gruppe den Wunsch nach einem Auto.

Caroline Morel nimmt alle diese Anfragen freundlich lächelnd aber kommentarlos entgegen. Sie weiss um ihre Kompetenzen. In den Ländern und Regionen entscheidet nicht sie als Geschäftsführerin der Stiftung, sondern die Frauen und Männer, die vor Ort als KoordinatorInnen arbeiten, diese kennen Land und Leute, Mentalität und Traditionen.

Diese Philosophie liesse sich auch in der Schweiz umsetzen:

Die Betroffenen definieren selber, was sie brauchen.

Unterstützung nur, wenn Eigeneinsatz geleistet wird und wenn Verantwortung übernommen wird.

Mit der Problemlösung erst dann beginnen, wenn das Ziel klar ist.


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