Margreth Rinderknecht in den Kantonsrat


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Niton

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Wasser für die Einwohner von Niton

Swissaid Trinkwasserprojekt

Niton ist ein kleines Dorf im Hochland von Ecuador. Es klebt fast zuoberst auf einer Gebirgskette, etwa 3600 m über Meer. Auf dieser Höhe wachsen kaum mehr Bäume, die Trinkwasserversorgung in der Trockenzeit ist eine echte Herausforderung.

Wenig Hoffnung von Seite der Regierung

1990 traten Vertreter von Niton und den Nachbardörfern vor die ecuadorianische Regierung mit der Bitte um Unterstützung für ein Trinkwasserprojekt. Die Situation war nicht gerade viel versprechend: Wasser hätte vom Fluss, der sich rund 1100m tiefer im Tal dahinschlängelt, heraufgepumpt werden sollen. Der staatliche Wassertechniker meinte: „Eher können Eure Pferde fliegen, als dass ihr so Wasser bekommt!“

… und die Pferde lernten fliegen!

Schliesslich gelangten die enttäuschten Dorfbewohner an die Koordinationsstelle von Swissaid und damit an Thomas Hitz, einen gebürtigen Aargauer, der damals als Mitarbeiter der Entwicklungshilfe- Organisation im Lande tätig war. Zusammen heckten sie einen kühnen Plan aus: in einer Entfernung von 15 km (Luftlinie) orteten sie ein Quellgebiet, wo auch während der halbjährigen Trockenzeit das wertvolle Wasser sprudelte. Nur – dieses Gebiet lag auf der nächsten Gebirgskette und dazwischen floss tief unten der Rio Patata zwischen steilen, von Gebüschen bewachsenen Grashängen dahin. Wie konnte diese Hindernisse überwunden werden?

Die Motivation heisst „Minga“

In vielen Versammlungen diskutierten die Indigenas die Situation und langsam wuchs die Bereitschaft, es zu wagen, es anzupacken. Mit dem technischen Wissen von Thomas Hitz und der Organisation der Arbeit durch die ortsansässige Wasserkommission, aber vor allem mit Ausdauer und Hartnäckigkeit aller Verantwortlichen und Dorfbewohner wurden 1991die ersten Arbeiten im Quellgebiet in Angriff genommen. Als erstes entstand ein Entsandungstank. Die ganze körperliche Arbeit erledigten die beteiligten Familien. Mit „Minga“ bezeichnen die Menschen diesen freiwilligen Frondienst. „Alle haben mitgearbeitet, von Kindern ab 12 Jahren bis zu über 65 Jährigen, wir sind stolz, dass wir es geschafft haben“, berichtet der damalige Personalverantwortliche.

Technische Details

Als die Wasserfassung fertig war, mussten die Leitungen in Gräben verlegt werden, über viele Kilometer und dann steil den Berg hinunter und auf der anderen Seite den Berg hinauf bis nach Niton. Über den Fluss wird eine 60 Meter lange Hängbrücke konstruiert, keine begehbare, nur die beiden Wasserleitungen hängen daran und sie sind an beiden Ufern in starken Betonfundamenten verankert. Auch die steilen Hauptleitungen liegen in regelmässigen Abständen in massiven Betonverankerungen. Dies ist unbedingt nötig, denn auf dem tiefsten Punkt erreicht der Druck in den Rohren gegen 100 bar. Die Leitungen sind zusammengeschraubt und aus einem Gusskern mit einem Stahlmantel.

Nur mit diesem hohen Druck fliesst das Wasser in der einen Leitung gut 1000 Höhenmetern hinauf ins Reservoir in Niton. Die zweite Röhre steigt von der tiefsten Stelle am Fluss nur um 600 Meter hinauf und versorgt die etwas tiefer gelegenen Dörfer. Alles Material haben die Frauen und Männer in Tüchern und Säcken an die Baustelle getragen. „Wir standen früh auf und hatten einen mehrstündigen Weg bis zum Arbeitsort. Alle nahmen soviel Essen mit, wie sie konnten und dann haben wir alles geteilt“, erklärt der damalige Wasserkommissionspräsident.

Der Staat hat sich ausgeklinkt

Was den Leuten bei aller Freude und Genugtuung über das gewonnene Trinkwasser immer noch sauer aufstösst, ist die Tatsache, dass sich der Staat mit keinem Dollar an den Kosten beteiligt hat. Die finanzielle Unterstützung durch die Swissaid hat den Kauf der Rohre ermöglicht, mindestesns so wichtig ist die langjährigen Begleitung und Unterstützung durch Thomas Hitz: „Doctor Thomas“ oder „der Campeón“, wie ihn Dorfbewohner liebevoll und bewundernd nennen. Die Hauptarbeit haben die Wasserempfänger selber geleistet, körperlich und geistig: Sie sind risikobereit eingestiegen, haben sich selber und andere zu Höchstleistungen motiviert und Durchhaltewillen bewiesen. Und für die Zukunft sind sie entschlossen, die gewonnen Eigenständigkeit an ihre Kinder weiterzugeben zusammen mit der Kraft und Bedeutung der Minga.


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