Margreth Rinderknecht in den Kantonsrat


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kein 2. Ballenberg

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Mittwoch, 10. März 2004
WATT / Bauern rekurrieren gegen die neue Katzensee-Schutzverordnung
«Wir wollen keinen zweiten Ballenberg»

Die Bauern am Katzensee fühlen sich von der neuen Landschafts-Schutzverordnung eingeengt. Das ausgedehnte Schutzgebiet bedrohe ihre Existenz. Mit Rekursen wollen sie nun die Grenzen des Schutzgebietes korrigieren.
Steffen Riedel

«Landschaftsschutz muss sein, allerdings auch Landwirtschaftsschutz», erklärte Margreth Rinderknecht gestern an einer Medienorientierung auf dem Hof der Familie Zollinger im Seeholz in Watt. Die Bäuerin bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann und ihren Söhnen nicht nur einen Betrieb in Wallisellen, sondern auch Teile ihres elterlichen Hofes im Katzensee-Schutzgebiet. Sie vertritt eine von rund 30 Bauernfamilien, welche seit gestern gegen die neue Katzensee-Schutzverordnung rekurrieren. Die Verordnung wurde am 16. Dezember letzten Jahres in Kraft gesetzt. «Gegen den Willen der Bauern hat der Regierungsrat die Grenzen des Katzensee-Schutzgebietes ausgedehnt», so Bäuerin Rinderknecht.

Zu grosses Schutzgebiet

Tatsächlich ist der Regierungsrat mancherorts bei der neuen Grenzlegung des Schutzgebietes über die 1956 festgelegten Zonengrenzen hinausgegangen (der «ZU» berichtete). Neue Flächen sind im Osten (siehe in der obenstehenden Grafik Pfeil A), im Gebiet Bärenbohl in Rümlang als auch im Westen (Pfleil B) bei Watt hinzugekommen und haben das Schutzgebiet vergrössert.

Martin Gass, der einen Betrieb im Bärenbohl bewirtschaftet, fürchtet um seine Existenz. «Ich produziere direktvermarktete Früchte, die ich selber an meinem Stand auf dem Markt in Oerlikon verkaufe. Meine Intensivkulturen muss ich mit Folien abdecken, denn beschädigte Früchte sind unverkäuflich.» Bauer Gass’ Kulturen liegen seit der Ausdehnung der Grenzen in der Landschaftsschutzzone 3A (in der Grafik als Ziffer 2 bezeichnet).

In der neuen Schutzverordnung unterscheidet der Regierungsrat die Landschaftsschutzzone in 3A und 3B (Ziffer 1). Während in der Zone 3B landwirtschaftliche Bauten, also auch Folientunnels, Obstplantagen oder Viehunterstände nach einer Bewilligung erstellt werden können, sind in der Zone 3A selbst solche betrieblich wichtigen und teilweise unentbehrlichen Baumassnahmen untersagt.

Diktatorischer Regierungsrat

Obwohl sich Landwirte und Grundeigentümer energisch mit zahlreichen Einsprachen gegen die Vergrösserung der Zone 3A (Ziffer 2) gewehrt haben, vergrösserte der Regierungsrat die Zone massiv. «Diktatorisch wie einst bei der Gründung des Schutzgebietes 1956», merkt Margreth Rinderknecht an.

Neu ist damit unterhalb der Kantonsstrasse zwischen Watt und Rümlang Landwirtschaft nur noch «in homöopathischen Dosen» möglich. «Die Bauern dürfen hier nicht einmal mehr einen Hühnerstall oder einen Viehunterstand, den der Naturschutz übrigens für weidende Rinder ausdrücklich verlangt, bauen», merkt der Landwirt Karl Wegmüller aus Watt an und schüttelt dabei ungläubig den Kopf. «Wenn wir hier nichts mehr machen dürfen, werden wir zu Parkwächtern auf unseren eigenen Höfen degradiert.»

Damit den Bauern etwa in Chatzenrüti nicht vollkommen die Hände gebunden werden, soll auch die Zonengrenze zwischen 3B und 3A (Ziffer 1 und 2) mittels Rekurs weit unter die Rümlanger Strasse verschoben werden (Pfeil C). «Wir wollen hier ja nicht leben wie in einem zweiten Ballenberg», verleiht Margreth Rinderknecht den bäuerlichen Forderungen Nachdruck.

Unterstützung erhalten die Rekurrenten von SVP-Kantonsrat Hans Frei aus Watt. Er bewirtschaftet zwar kein Land in der Schutzzone, ist aber solidarisch mit seinen Berufsgenossen. «Die Landschaft um den Katzensee ist über viele Jahrhunderte hindurch durch die Bauern geprägt, gepflegt und bewirtschaftet worden. Wir leben und produzieren hier.» Frei fügt an, dass die Bauern nicht für ihre Arbeit bestraft werden dürften.

Frei weiter: «Die verschärfte Schutzverordnung gefährdet die Existenz der landwirtschaftlichen Betriebe am Katzensee, deshalb müssen wir sie anpassen.» Die von den betroffenen Bauern eingereichten Rekurse haben keine aufschiebende Wirkung. Die Landwirte müssen bis zum Entscheid über ihre Einwände mit der neuen Verordnung leben und nach ihr wirtschaften.


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